Judo

Was ist Judo?


Judo bedeutet soviel wie "der sanfte Weg". "Siegen durch Nachgeben" beschreibt das Prinzip des Judo, welches sich der Kräfte des Gegners zunutze macht. Judo erfordert in der Regel das Ergreifen des Gegners, deshalb werden Kämpfe immer in der Nahdistanz ausgeführt. Schläge und Tritte sind neben anderen Techniken aus dem Judo entfernt worden, um einen sportlichen Wettstreit ohne besondere Schutzausrüstung zu ermöglichen.

Judo ist förderlich im Bereich der Körperkoordination, der Reaktionsschnelligkeit, der nützlichen Fähigkeit gekonnt zu fallen und der körperlichen Fitness. Weiterhin besitzt die Ausübung dieses Sportes positive soziale Aspekte, wie den Abbau von Berührungsängsten, dem Erlernen von Verantwortung gegenüber dem Partner, miteinander und voneinander zu lernen und weiteren charakterbildenden Eigenschaften. Jeder übt mit Jedem, auch der Anfänger mit dem Fortgeschrittenen und die Frauen mit den Männern. Ein Grund, Judo auszuüben, ist der Spaß an der Sache, auch und erst recht als Erwachsener. Die Möglichkeit der Selbstverteidigung durch Judo ist zwar nur ein Nebenaspekt, der jedoch nicht unterschätzt werden sollte.

Zum Judo gehören auch verschiedene Katas, also festgeschriebene Bewegungsabläufe, bei denen es auf die Exaktheit der Ausführungen ankommt. Hier werden teilweise auch weiterhin Techniken angewandt, die im Wettkampf verboten und eher zu Selbstverteidigungszwecken geeignet sind. Dazu gehört auch die Abwehr verschiedener Waffen.


Die Judotechniken lassen sich in zwei Gruppen einteilen:


1. Die Wurftechniken (Tachi Waza)


Im Judo gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Wurftechniken. Die klassische Gokyo kennt insgesamt 40 verschiedene Würfe. Hinzu kommen noch einige Techniken, die man als "Übergänge in die Bodenlage" bezeichnet sowie aus anderen Sportarten übernommene Techniken.


2. Die Bodentechniken (Ne Waza)


Die Bodentechniken lassen sich weiterhin einteilen in:
a. Haltegriffe (Osaekomi Waza)
b. Würgegriffe (Shimme Waza), meistens mit dem Kragen der Jacke ausgeführt
c. Hebeltechniken (Kansetsu Waza), auf das Ellenbogengelenk beschränkt


Judo ist heute mit über 6 Millionen Sportlern der weltweit am weitesten verbreitete Kampfsport. Da alle gefährlichen Techniken im Judowettkampf verboten sind, ist Judo zu einem beliebten Sport geworden, den man in jedem Alter betreiben kann. So ist es nicht ungewöhnlich, dass die Jüngsten bereits mit 5-6 Jahren anfangen Judo zu lernen.



Judo - Wettkampf


Der Kampf beginnt mit dem Ruf "Hajime" des Mattenrichters, Kampfsprache ist Japanisch. Ein Wettkampf geht über effektiv 5 (Männer) bzw. 4 Minuten (Frauen), und das Ziel ist es, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn ausreichend stark oder oft zu werfen oder ihn zur Aufgabe (z.B. durch Abklopfen angezeigt) zu zwingen. Kämpfe, die z.B. nach einem Wurf am Boden weitergeführt werden, werden, wenn nicht sofort eine erkennbare Bodentechnik angesetzt wird, meist nach relativ kurzer Zeit vom Kampfrichter unterbrochen und im Stand erneut freigegeben.

Hauptziel im Judo Wettkampf ist es einen einzigen vollen Punkt zu erzielen (jap.: Ippon). Nach einem Ippon ist ein Kampf vorzeitig beendet. Er ist wie ein K.O. im Boxen, jedoch bei weitem nicht so schmerzvoll.

Ein starker Wurf des Gegners mit Schwung und Kraft auf seinen Rücken hat einen Ippon als Wertung zur Folge und bedeutet den sofortigen Sieg. Für weniger gelungene Würfe gibt es kleinere Wertungen, wie den Waza-ari, den Yuko und den Koka, der kleinsten Wertung. Eine hohe Wertung ist immer mehr Wert als viele kleine, und zwei Waza-ari gelten als Ippon. Ippon gibt es auch, wenn der Verteidiger nach einer Würge oder einem Armhebel aufgibt oder sich aus einem Haltegriff 25 Sekunden lang nicht befreien kann.

Verboten sind alle Aktionen, die den Gegner verletzen können. Dazu gehören gefährliche Griffe, Tritte und Stöße. Regelverstöße kann der Mattenrichter mit einer Belehrung, Ermahnung oder Verwarnung ahnden. Ein Kämpfer kann bei schwerem Vergehen auch disqualifiziert werden.

Verschieden starke Bestrafungen werden dem Nichtbestraften als entsprechende Wurfwertung gutgeschrieben. Spätestens am Ende der Kampfzeit entscheidet die Höhe der Wertungen über Gewinner und Besiegten. Bei Wertungsgleichheit wird durch die unabgesprochene Meinung der drei Kampfrichter, die sich jeweils für einen Gewinner entscheiden müssen, ein Kämpfer zum Sieger erklärt.

Die Männer (Frauen) kämpfen in folgenden Gewichtsklassen Superleichtgewicht bis 60 (48) kg, Halbleichtgewicht bis 66 (52) kg, Leichtgewicht bis 73 (57) kg, Halbmittelgewicht bis 81 (63) kg, Mittelgewicht bis 90 (70) kg, Halbschwergewicht bis 100 (78) kg und Schwergewicht über 100 (78) kg.



Geschichte des Judo


Seine Ursprünge hat der Judosport in der japanischen Selbstverteidigungsmethode der Samurai-Krieger, dem Jiu-Jitsu.

Der Begründer des Judo ist der Japaner Jigoro Kano (1860-1938). Mit 17 Jahren begann er das Studium der traditionellen japanischen Kampfkunst (Jiu-Jutsu). Im Jahre 1882 gründete er den Kodokan und schuf aus dem alten Jiu-Jutsu das heutige Judo, indem er alle gefährlichen Techniken (Schläge, Tritte ...) wegließ. Judo setzte sich erst durch, nachdem 1886 ein Kampf zwischen dem Kodokan und der traditionellen Jiu-Jutsu-Schule "Ryoi Shintoryu" stattfand. In 30 Kämpfen siegten die Schüler Kanos, zwei Kämpfe endeten unentschieden, kein einziger Kampf wurde verloren. Nach diesem überragenden Sieg verbreitete sich das Judo in Japan mit rasanter Geschwindigkeit. Schon bald wurde Judo bei Polizei und Armee eingeführt.

Der Deutsche Dr. Bälz zog 1876 nach Japan, wo er ein Lehramt an der medizinischen Fachschule in Tokio übernahm. Er betrieb selbst Jiu-Jutsu und traf 1878/1879 auf Jigoro Kano, den er in seinen Bemühungen unterstützte. 1905 kehrte Dr. Bälz wieder nach Deutschland zurück, wo er für Judo und Jiu-Jutsu warb.

Erich Rahn (Meister der 1000 Griffe) war der Wegbereiter des deutschen Judo. 1906 gründete er die erste deutschen Jiu-Jutsu-Schule in Berlin. Bereits 1910 unterrichtet er bei der Berliner Kriminalpolizei Jiu-Jutsu. 1922 gewann Erich Rahn die ersten deutschen Jiu-Jutsu-Meisterschaften. 1924 wird Erich Rahn als Dozent für Jiu-Jutsu an die Deutsche Hochschule für Leibesübungen in Berlin berufen. 1930 wird er Jiu-Jutsu-Lehrer an der Heeressportschule in Wünsdorf bei Berlin.

Weitere wichtige Ereignisse:
1912: Erster Besuch von Jigoro Kano in der Schule Erich Rahns
1919: Einführung des Jiu-Jutsu-Unterrichtes bei der uniformierten Polizei, erste Judo-Clubs in Frankfurt/Main durch Alfred Rhode
1953: Gründung des Deutschen Judobundes (inzwischen ca. 230.000 Mitglieder)
1956: 1. Judo-Weltmeisterschaften
1964: Judo wird zur olympischen Disziplin

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